Warum Komplexität nützlich ist

Inmitten der aktuellen Themenlage erlaube ich mir in aller gebotenen Kürze auf den soeben bei Springer Gabler erschienenen Band »Warum Komplexität nützlich ist: Auf der Suche nach Antworten mit Helmut Willke« aufmerksam zu machen. Die darin versammelten Beiträge über Nutzen und Nachteil traditioneller Steuerungsmechanismen lassen sich nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Krise zugleich als Beispiele und Gegenbeispiele aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen lesen.

 

 

Einleitung – Unruhige Zeiten

Die Entwicklung von Organisationen war schon immer herausfordernd. In der Moderne scheinen nun völlig neue Ansprüche auf sie zuzukommen: Die Paradoxie der Einheitlichkeit des Pluralen ist unter Druck geraten. Traditionelle hierarchische Strukturen haben sich aufgelöst und in Netzwerke organisiert. Auffällig ist parallel dazu, dass sich speziell in Organisationen die Ordnung der Ordnung stärker in Richtung einer Ordnung der Unordnung, oder einer Art regulierten Anarchie organisiert, wie Helmut Willke in seinen Studien zur Krisis moderner Gesellschaften ausführt.

Ordnungsmodelle von Organisationen waren und sind in der Organisationstheorie und in der Managementtheorie ein Dauerthema. Dennoch wurde speziell in den letzten Jahren deutlich, dass mit der Zunahme von Komplexität, verteilter Intelligenz, sowie der immer stärker werdenden digitalen Vernetzung der Formenreichtum möglicher Ordnungsmuster in Organisationen zunimmt. Ins-besondere geraten jene Organisationen unter Druck die an einem Einheitsmodell hierarchischer Steuerung festhalten.

Ganz sicher steht daher fest, dass sich gerade im Bereich hierarchischer Steuerung von Organisationen eine Dauerüberlastung der Spitze ergeben hat und diese Überlastung nur durch dezentrale Organisationsstrukturen im Sinne von selbstständigen Organisationseinheiten nachdrücklich entlasten lässt. Damit werden neue Denkfiguren in Organisationen notwendig. Die Modellierung von komplexen Verschachtelungen im Sinne von Einheit und Differenz wurde von George Spencer Brown in Rahmen eines mathematischen Formenkalküls mit der Idee des „re-entry“ beschrieben. Niklas Luhmann und Dirk Baecker nutzen das Formenkalkül um innerhalb von Organisationen die Vielschichtigkeit und Mehrdimensionalität zu beschreiben und zu verstehen.

Der Leitgedanke, der damit in die Organisationstheorie einzog war, dass ge-sellschaftliche Evolution einen höheren Grad an Eigenkomplexität eines organisierten Sozialsystems braucht. Die Umstellung von Hierarchie auf dezentrale Verantwortung ermöglicht die Steigerung von Leistungsfähigkeit und die Entfaltung der unterschiedlichen Teilsysteme. Nicht zuletzt hatte bereits Karl Weick im Rahmen von festen und losen Kopplungen zur Beschreibung von Architekturen eines Schulsystems darauf hingewiesen, dass Schulen mit höheren Autonomiegrad erfolgreichere Schüler*innen hervorbrachten als Schulen mit einem geringere Autonomiegrad. Mit der Implementierung von komplexen (dezentralen) und vielschichtigen Organisationsstrukturen entstehen neue Eigenlogiken innerhalb und außerhalb von Organisationen, für die ein reflektiertes Wissen im Sinne eines professionellen Steuerungsverständnisses erforderlich ist.

Vor diesem Hintergrund haben sich die Pädagogischen Hochschule Oberösterreich und die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse (nunmehr Österreichische Gebietskrankenkasse) das Ziel gesetzt, angemessene Reflexionsarbeit zu leisten. In einer Reihe von Veranstaltungen mit hochkarätigen Expert*innen wird versucht Antworten auf zentrale Fragen der Steuerung und der Führung von Organisationen zu finden.

Der vorliegende Band widmet sich der Fragestellung oder vielmehr der Hypothese „Warum Komplexität nützlich ist“. Die Antworten sind vielschichtig und weitreichend: Von der Problematik der Steuerung von komplexen politischen Systemen über die Schwierigkeit oder Unmöglichkeit direkter Steuerung von Organisationen bis hin zu Gedanken über narzisstische Individuen in heterarchisch konzipierten Organisationen. Die unruhigen Zeiten für Organisationen werden weitergehen. Fragen der Organisationsentwicklung werden uns nach-haltig beschäftigen. Weder Polemik noch überzogener Eifer werden uns zum Ziel führen. Vielmehr wird es notwendig sein, kühl und bedächtig jene Formen komplexer Steuerung zu finden, die auch einer intensiven kritischen Prüfung standhalten würden.

https://www.amazon.de/Warum-Komplexität-nützlich-ist-Antworten/dp/3658296003

Diskursfähigkeit als Qualitätskriterium

Im neuen Magazin der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich reflektieren wir über die unterschiedlichen Zugänge im Qualitätsmanagement.

Gegen Qualität könne ja niemand ernsthaft sein. Und wer dennoch Bedenken hätte, würde sich zumindest in hohem Maße verdächtig machen. Mit einer großen Themenvielfalt wollen wir Diskussionen anstoßen und möglicherweise „Irritationen“ erzeugen, die im alltäglichen Handeln ihre Wirkung nachhaltig entfalten können.

https://ph-ooe.at/fileadmin/Daten_PHOOE/ebooks/PH%20OOE%20Magazine/Qualitaet/ph_qualitaet.pdf

Mediathek PH OÖ

 

Wahlkampf – die Zeit der erlernten Hilflosigkeit

Der Kommentar erschien im Magazin The European

https://www.theeuropean.de/josef-oberneder/osterreich-wahlt-einen-neuen-kanzler/

 

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Demokratie ist die beste Form gesellschaftlicher Steuerung. Damit verbunden sind alle Rechte des demokratischen Handelns, wie Meinungs- und Pressefreiheit, das Recht auf Einhaltung der Menschenrechte sowie unsere Wahlfreiheit, um nur einige zu nennen. Dabei ist entscheidend, dass die Demokratie der Politik die Strukturen, Prozesse und Regeln vorgibt, nach denen politische Entscheidungen und Handlungen zu treffen sind. Ohne Wenn und Aber, wenn ein Land dem Anspruch von Demokratie genügen will.

Als Folge eines politischen Skandals (Ibiza-Video) und den in der Österreichischen Bundesverfassung festgelegten Recht zur Einbringung eines Misstrauensantrags gegen eine Regierung, finden in Österreich nunmehr Neuwahlen statt. Aus Ibiza wurde zwischenzeitlich ein seltsames Zauberwort: Es klingt ein wenig nach Insel, nach Sonne und Meer, nach Urlaub und Strand und dann war da noch die „bsoffene Geschichte“ von Herrn Strache. Die mediale Kommunikation und Empörung war groß und dennoch verstärkte sich – so zumindest der augenblickliche Befund – die Hinwendung und Unterstützung zur HC-Community und dem gesamten Umfeld. Der Song „We´re going to Ibiza“ wird zum Sommerhit des Jahres. Zum Zeitpunkt des Skandalons formieren sich Proteste am Ballhausplatz, sie sind gegen das Aktuelle was da stattgefunden hat und für etwas Anderes was noch nicht da ist. Sie sind lauwarm und friedlich, ein sozialer Lärm, der den Anspruch auf den Hinweis für etwas Neues in unserer politischen Landschaft hat.

Was da passiert ist, ist in dieser Form in Österreich noch nicht dagewesen, formuliert Alexander Van der Bellen bei seiner Pressekonferenz die Zusammenfassung des verächtlichen politischen (Ibiza)Habitus, der Österreichs Medienlandschaft verändern will, der alternative Kräfte als linksintellektuell abwertet und der der Korruption Tür und Tor öffnen will. Vielleicht lässt sich die These wagen, dass gerade diese irrational anmutenden politischen Handlungen eine Chance gewesen wären, demokratische Prinzipien wieder zu stärken. Bürgerinnen und Bürger wieder einzuladen sich inhaltlich politisch vermehrt einzubringen und nicht den Attraktivitätsmangel (Politikverdrossenheit) zu bejammern. Die selbstbegeisterte Begeisterung der Politik findet nunmehr in einer Reihe von Sommergesprächen und einem intensiven Wahlkampf statt.  Die Themen sind überschaubar, massenmedial möglichst anschlussfähig formuliert: Klima, Soziales, Sicherheit, Wirtschaft, Bildung und ein wenig Migration und Integration. Für die Argumentationen werden Großeltern, Eltern, Tanten und Onkeln und auch die Enkelkinder bemüht: Man wisse über die Problemstellungen der Bildung Bescheid, weil die Mutter Pädagogin sei, die gesamte Familie in einem Dorf im Waldviertel wohne und damit auch die Herausforderungen im ländlichen Bereich kenne und man wisse schließlich wie die Enkelkinder vor der Klimakrise zu schützen seien. NLP-artig werden die Antworten hübsch aufbereitet in drei Lösungsvorschläge gekleidet: Das Einzelbeispiel wird als Generalisierung auf den gesamten Bereich des politischen Frames übertragen. So funktioniert politische Kommunikation – scheinbar (?).

Die Auftritte werden in Arenen und Duellen abgehandelt und schließlich analysiert. Die Politikwissenschaftler, Medienvertreter und strategischen Kommunikationsberater haben eine Minute Zeit für die Zusammenfassung. Die mintunter etwas prekäre Situation wird genutzt um die Körpersprache und deren Funktion zu analysieren, und um vielleicht noch die eine oder andere Variante künftiger Kooperationen (Koalitionen) herauszulesen. Die erstaunliche Inhaltsleere ist der Zeit geschuldet, so zumindest die Vermutung. Anders ist es nicht erklärbar, warum die Eigenleistung der Beobachter auf der Ebene des Beobachtens und nicht der Erkenntnis stecken bleibt.

Vorsicht ist angebracht, wenn nach 525 Tagen voller Skandale (Süddeutsche Zeitung) auf Seiten der politischen Parteien und deren Beobachter nicht die Chance ergriffen wird, grundsätzliche Antworten zu finden: Wie können wir hochkomplexe Fragestellungen (Klima, Soziales, Wirtschaft, Migration etc.) mit den konstitutiven Elementen des Demokratiemodells bearbeiten und jenseits von populistischen Antworten neue kompetente Möglichkeiten und Varianten für Lösungen aufzeigen? Dabei wird es immer um die Balance bewusst gegensätzlicher Interessen und Meinungen gehen, die im Sinne demokratischer Legitimität frei ausgehandelt werden müssen. Dass dies in Zeiten des Wahlkampfes viel zu wenig genutzt wird, lässt sich durch die Organisationstheorie treffend beschreiben: Sie hat dafür die Begrifflichkeit der „Eingeübten Inkompetenz“ gefunden. Die damit erlernte Hilflosigkeit, führt dazu, dass die politischen Parteien alles unternehmen, um sicherzustellen, dass man genau so weitermachen kann wie bisher. In Anbetracht der täglichen Verlogenheit und der permanenten Einzelfälle deren Aufzählung mittlerweile schwierig ist, muss vor Verwahrlosungserscheinungen (Christian Aigner) und damit der eingelernten Hilflosigkeit der Politik dringend gewarnt werden. Vielleicht werden wir uns später einmal daran erinnern, an die durchgestylten Wahlevents, an die Auftritte der Politiker die möglicherweise genau wussten, wie sie uns täuschen.

Entsprechend dieser offensichtlichen Befunde, die mittlerweile nicht nur von „linken“ Medien aufgegriffen werden, stehen wir zurecht vor der Aufgabe achtsam hinzuhören und mit unserer Stimme sicherzustellen, dass auch die Zukunft einer liberalen Demokratie gewährleistet wird. Die Revitalisierung des Humanismus (Julian Nida-Rümelin), als eine Praxis der Menschlichkeit und damit die Hoffnung auf eine prosperierende Gesellschaft der Zukunft wird uns Antwort geben und leitend sein für die nächsten Dekaden.

Appelle ans Emotionale

Sebastian Kurz´politische Appelle ans Emotionale

Anmerkungen zur türkisen Massenbegeisterung. In einem Kommentar der Anderen in der Tageszeitung derStandard habe ich am 7.6.2019 eine Analyse des aktuellen politischen Procedere erstellt.

Hier der vollständige Artikel

https://www.derstandard.de/story/2000104290526/sebastian-kurz-politische-appelle-ans-emotionale

 

Politisches Kalkül der Gegenwart

Die Demokratie als politisches System ist wohl unumstritten: Sie ist die beste Form gesellschaftlicher Steuerung. Und sie ist jene Form, die Freiheit im Sinne von selbstverantworteter Mündigkeit (Kant) ermöglicht. Die Stärken demokratischen Handels liegen somit klar auf der Hand: Transparenz, Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger, Meinungs- und Pressefreiheit, Wahlfreiheit, Einhaltung der Menschenrechte, um nur einige zu nennen. Die Geschwindigkeiten und Widersprüchlichkeiten in der gesellschaftlichen Entwicklung und die damit verbundene politische Steuerung sind aber unübersehbar: Traditionelle Souveränitäten der Nationalstaaten prallen auf internationale und globale Kontexte und Logiken. Die Herausforderungen werden demnach komplexer, umfangreicher und schwieriger. Spätestens bei Problemstellungen wie dem evidenten Klimawandel, der Entwicklung des Gesundheits- oder Bildungssystems oder der „chronifizierten“ Migrationsproblematik werden die Grenzen und die Schwierigkeiten des Regierens sichtbar. Fest steht: Im Sinne des Soziologen Helmut Willke hat Politik in einer modernen differenzierten Gesellschaft die Aufgabe, Rahmenbedingungen für die Herstellung und Durchsetzung von erforderlichen verbindlichen Entscheidungen zu schaffen. Die Form, in der dies erfüllt wird, ist die Demokratie. Und dabei ist entscheidend, dass die Demokratie der Politik die Strukturen, Prozesse und Regeln vorgibt, nach denen politische Entscheidungen zu treffen sind. Ohne Wenn und Aber, wenn ein Land dem Anspruch von Demokratie genügen will.

 

Anschaffen und durchziehen

Nicht lange diskutieren – sondern anschaffen und durchziehen. Nach zahlreichen innenpolitischen Ereignissen der jüngsten Vergangenheit scheint das politische Kalkül in Österreich klar definiert zu sein: Direktive hierarchische Steuerung. Autokratisch und selbstverliebt. Der Feind ist die andere Seite des politischen Spektrums. Die Transformation weg von einer liberalen hin zu einer autoritären Demokratie wird mittlerweile nach Veröffentlichung des Buches von Reinhold Mitterlehner selbst in Boulevardmedien diskutiert. Das Volksbegehren zum Raucherschutz wird ignoriert, Begutachtungsfristen für Gesetzesänderungen werden extrem kurz gehalten. Ein kritisches Interview von Armin Wolf wird durch die FPÖ als „widerlich“ bezeichnet und findet den Höhepunkt im Vorschlag, Armin Wolf solle beim ORF eine Auszeit nehmen (ORF Stiftungsratsvorsitzender und ehemaliger FPÖ-Chef Steger).

Die Sprachmuster der Regierenden sind eingeübt (das ist nicht neu) und werden gebetsmühlenartig reproduziert. Man kooperiere und streite nicht. Die Antworten passen praktisch zu jeder Frage. Man tue ja das, was man vor der Wahl versprochen habe. Die Unerschrockenheit über das Widerliche am rechten Rand ist erstaunlich! Man habe sich distanziert und alles ist wieder gut. Selbst langgediente Bundespräsidenten machen sich Sorgen und gehen vorsichtig mahnend an die Öffentlichkeit. International sind die Schlagzeilen gesichert. Die Frage ist nur, ob diese Schlagzeilen einem offenen, pluralen Österreich guttun.

Die selbst begeisterte Begeisterung

Was soll daran nun bedenklich sein, wenn eine Regierung mit einer von sich selbst begeisterten Begeisterung agiert?

Die Bedenklichkeit speist sich aus zahlreichen Quellen: Einmal ist es eine seltsame Inhaltsleere der Reformen, die massenmedial kommuniziert wird, weil die Reduktion von Komplexität und schwierigen Zusammenhängen schnell verstanden und öffentlich goutiert wird. Sie sind „praktisch und einfach“, ja manchmal von überraschender Schlichtheit durchzogen. Wir reden da von Verboten von Kopftüchern in Kindergärten, der Erhöhung der Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen auf 140 Stundenkilometer, oder etwa darüber, ob Führerscheinprüfungen in türkischer Sprache abgehalten werden sollen (Stichwort: Symbolpolitik). Mit leuchtenden Augen wird das Mythologem des Fortschritts und der mittlerweile so überfällige Umbau Österreichs kommuniziert. Beseelt davon, dass das Ganze unaufhaltbar ist, unabhängig von Oppositionsgeräuschen und Gesprächen mit der Sozialpartnerschaft. Unter solchen inhaltlichen Voraussetzungen darf man schon nachfragen, ob vielleicht die Gestalter des Umbaus auch manchmal auf Unschärfen auflaufen?

Irgendwie scheint man die großen unsteuerbaren Bereiche unserer Gesellschaft eben steuern zu wollen: Gesundheit, Klima, Bildung, Migration etc.. Das Bild der Steuerung, das konstruiert wird, ist teuflisch prägnant, weil es in seiner Einfachheit gesellschaftlich so hoch anschlussfähig ist. Man schließe neun Gebietskrankenkassen zu einer zusammen und verbinde das Projekt mit einer prognostizierten Einsparung von einer Milliarde Euro. Oder man führe wieder Noten in den ersten beiden Klassen der Volksschule ein, um Leistung zu messen. Denn nur die „Leistungsträger“ unserer Gesellschaft würden erfolgreich sein. Man differenziere das ohnehin bereits differenzierte Schulsystem weiter um scheinbar besser und individueller fördern zu können. Man fordere bessere Sprachkenntnisse bei Asylsuchenden und erhöhe das Sicherheitsbudget. Und schon funktioniere unsere Gesellschaft wieder nach den Regeln die wir „liebgewonnen“ haben: Klar, einfach, hierarchisch und angeordnet.

Fragen statt sagen

Im Prinzip geht es in der modernen Gesellschaft aber darum, dass alles was geschieht, nicht eindeutig definierbar ist. Eben nicht linear steuerbar ist, sondern einer Kontingenz unterliegt. Moderne Gesellschaften fragen deshalb Menschen um ihre Meinungen, ihre Positionen, ihren Protest und ihren Widerstand. Denn „Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht“ hatte Erich Kästner formuliert.

Vielleicht geben all diese Beispiele der jüngsten Vergangenheit den Anlass die Vermutung zu wagen, dass das augenblickliche politische Kalkül kein großes Interesse am Nachfragen hat. Das Format des Fragens, des Mitbeteiligens, des Verhandelns ist aufwändig. Und das will man nicht. Man muss ja Österreich umbauen. Schnell und effizient „enkelfit“ machen – welch seltsame Wortschöpfung?

Der gesellschaftliche „pressure of change“ sei vom Wähler gewünscht worden; wahrscheinlich war damit die Funktion des österreichischen Jammers gemeint. Niemand glaubt doch ernsthaft, dass in einem der reichsten und sichersten Länder der Welt, die Menschen ein geradezu manisches Bedürfnis nach Veränderung haben. Vielmehr müsste die Frage nach der Beständigkeit gestellt werden. Welche Errungenschaften sollten unbedingt so bleiben wie sie sind? Was war die große Erfolgsgeschichte der zweiten Republik?

Die Grenzen des Sagbaren

Niklas Luhmann konzipierte im Rahmen seiner systemtheoretischen Gesellschaftstheorie die Annahme, dass jedes soziale System durch die Kopplung von Kommunikationen und Entscheidungen entsteht. Demnach wird das Gesellschaftssystem solange aufrechterhalten, solange die Kommunikationsstrukturen anschlussfähig sind. Die Symptome eines sich selbst feiernden politischen Systems könnten daher ziemlich deutlich an seinem Kommunikationsverhalten abgelesen und interpretiert werden, ohne noch auf die Bewertung von inhaltlichen Reformen zu schielen. Das eigentlich Dramatische am augenblicklichen politischen Kalkül scheint also die Verweigerung von Kommunikation zu sein. Und da lauert die Gefahr für die Zukunft: Die Verhinderung von Abweichungen und die Verhinderung von Diskurs verschieben die Grenzen des Sagbaren auf die Meinung der Regierenden und reduzieren konsequenter Weise damit demokratische Strukturen der Meinungs- und Pressefreiheit.

 

 

Inklusiv steuern, lenken, planen.

Vorwort zum Magazin 02/2019 der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich. Schwerpunkt Inklusion.

Wir freuen uns als Verantwortliche des Hochschulmanagements der PH OÖ, dass das vorliegende Magazin die Thematik „Inklusion“ so inklusiv, so breit und ebenso einschließend behandelt. Dieser Sachverhalt erklärt sich auch, aber nicht nur aus der bildungspolitischen Geschichte der letzten 25 Jahre in Österreich. Unser Standort hat sich bereits in den 1990er-Jahren intensiv mit dem Wissen um Verschiedenheit von Bedürfnissen aller Kinder und Jugendlicher auseinandergesetzt. Schon zu Zeiten des Akademiestudiengesetzes 1999 wurde dem Aspekt der Vielfalt, der „Normabweichung“ und den uneingeschränkten Partizipationsmöglichkeiten im System Schule von etikettierten, marginalisierten Schülergruppen besonderes wissenschaftliches Augenmerk geschenkt. Wir werden in unserem Beitrag den Fokus nicht auf nationale Gesetze und internationale Ratifizierungen Österreichs richten, weil dadurch inhaltlichen Redundanzen des Magazins verhindert werden sollen. Wir können auch keine wissenschaftlich fundierte Abhandlung erstellen, dies obliegt den Expertinnen und Experten der Inklusiven Bildung in unserem Hause. In unserer Annäherung fokussieren wir das Thema unter strategischer, organisationaler und betrieblicher Hinsicht.

Link zur Mediathek der PH OÖ. Magazin 02/2019 https://ph-ooe.at/media.html

 

Gesellschaftliche Komplexität

Prof. Helmut Willke spricht in einer Keynote an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich über „Gesellschaftliche Komplexität und die Steuerungsfunktion der Politik“.

Helmut Willke im Gespräch

Im Rahmen eines Workshops am 7. März habe ich mit dem Systemtheoretiker und Politikwissenschaftler Prof. Helmut Willke ein Gespräch über „Führung und Steuerung von gesellschaftlichen Funktionssystemen“ geführt.

https://www.dorftv.at/video/31027

Gespräch über Führung und Veränderungsmanagement

Gespräche – Was die Bildungswelt bewegt. Die Direktorin der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, Dr.in Andrea Wesenauer, war zu Gast an der PH OÖ. Ich führte ein Gespräch über Führung und Veränderungsmanagement. Das Gespräch wurde im dorftv. am 18. Dezember übertragen.  Link zum 10 Minuten Video.

https://www.dorftv.at/video/30543

Grenzenlos

Das neue Magazin der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich fokussiert den Themenschwerpunkt „Internationalität“. Mein Spotlight ist hier zu lesen.

Globalisierung und transnationale gesellschaftliche Logiken haben Hochschulen verstärkt seit den 1990 Jahren in Richtung internationale Weiterentwicklung beeinflusst. Insbesondere Europäische und nationale Förder- und Mobilitätsprogramme haben es ermöglicht, dass Lehrende und Studierende an internationalen Forschungsprojekten an Austauschprogrammen teilnehmen und damit für globalisierte Arbeitsmärkte vorbereitet werden. Im Sinne von Jane Knight können die verstärkten internationalen Entwicklungen von Hochschulen umschrieben werden: „Internationalisation of higher education is the process of integrating an international/intercultural dimension into the teaching, research and service of the institution“.

 

Die Pädagogische Hochschule Oberösterreich sieht die Internationalisierung als ein zentrales Ziel, dem ein dynamischer Prozess des permanenten Reflektierens innewohnt. Dies erfordert nicht nur die Zählung von Teilnehmer_innen an internationalen Austauschprogrammen, sondern vielmehr die gemeinsame Erschließung wesentlicher Erkenntnisse des gemeinsamen Lernens in anderen kulturellen Kontexten. Dabei sind vor allem auch gesellschaftliche und bildungspolitische Herausforderungen von großer Bedeutung. Wir sehen es als unsere Aufgabe eine aufgeschlossene und engagierte Haltung nach Lösungen für weltweite Bildungsfragen und Herausforderungen zu fördern und verschiedene kulturelle Perspektiven und Sprachen als individuell und kulturell bereichernd zu verstehen.

Unser Kooperationsnetzwerk umfasst eine große Anzahl von europäischen Ländern sowie Georgien, Weißrussland und Israel.

Das aktuelle Magazin der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich gibt einen Überblick zu vielen Bereichen und Aktivitäten unserer internationalen Bemühungen. Viel Freude beim Lesen!

Link zur elektronischen Ausgabe des Magazins

http://www.ph-ooe.at/fileadmin/Daten_PHOOE/ebooks/PH%20OOE%20Magazine/International/HTML/files/assets/basic-html/page-1.html#

 

 

 

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