Gespräch über Führung und Veränderungsmanagement

Gespräche – Was die Bildungswelt bewegt. Die Direktorin der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, Dr.in Andrea Wesenauer, war zu Gast an der PH OÖ. Ich führte ein Gespräch über Führung und Veränderungsmanagement. Das Gespräch wurde im dorftv. am 18. Dezember übertragen.  Link zum 10 Minuten Video.

https://www.dorftv.at/video/30543

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Grenzenlos

Das neue Magazin der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich fokussiert den Themenschwerpunkt „Internationalität“. Mein Spotlight ist hier zu lesen.

Globalisierung und transnationale gesellschaftliche Logiken haben Hochschulen verstärkt seit den 1990 Jahren in Richtung internationale Weiterentwicklung beeinflusst. Insbesondere Europäische und nationale Förder- und Mobilitätsprogramme haben es ermöglicht, dass Lehrende und Studierende an internationalen Forschungsprojekten an Austauschprogrammen teilnehmen und damit für globalisierte Arbeitsmärkte vorbereitet werden. Im Sinne von Jane Knight können die verstärkten internationalen Entwicklungen von Hochschulen umschrieben werden: „Internationalisation of higher education is the process of integrating an international/intercultural dimension into the teaching, research and service of the institution“.

 

Die Pädagogische Hochschule Oberösterreich sieht die Internationalisierung als ein zentrales Ziel, dem ein dynamischer Prozess des permanenten Reflektierens innewohnt. Dies erfordert nicht nur die Zählung von Teilnehmer_innen an internationalen Austauschprogrammen, sondern vielmehr die gemeinsame Erschließung wesentlicher Erkenntnisse des gemeinsamen Lernens in anderen kulturellen Kontexten. Dabei sind vor allem auch gesellschaftliche und bildungspolitische Herausforderungen von großer Bedeutung. Wir sehen es als unsere Aufgabe eine aufgeschlossene und engagierte Haltung nach Lösungen für weltweite Bildungsfragen und Herausforderungen zu fördern und verschiedene kulturelle Perspektiven und Sprachen als individuell und kulturell bereichernd zu verstehen.

Unser Kooperationsnetzwerk umfasst eine große Anzahl von europäischen Ländern sowie Georgien, Weißrussland und Israel.

Das aktuelle Magazin der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich gibt einen Überblick zu vielen Bereichen und Aktivitäten unserer internationalen Bemühungen. Viel Freude beim Lesen!

Link zur elektronischen Ausgabe des Magazins

http://www.ph-ooe.at/fileadmin/Daten_PHOOE/ebooks/PH%20OOE%20Magazine/International/HTML/files/assets/basic-html/page-1.html#

 

 

 

Organisationsforschung – Wie beeinflusst man Organisationskultur?

Was Bildung bewegt. Im Rahmen von PH TV fand ein Gespräch von mir mit Prof. Stefan Kühl von der Universität Bielefeld statt.

In seinem 2018 veröffentlichten Buch „Organisationskulturen beeinflussen “ versteht er unter Organisationskultur – die informale Struktur einer Organisation – Verhaltenserwartungen, über die nicht bewusst entschieden wurde, sondern die sich langsam durch Wiederholungen und Imitationen eingeschlichen haben. Es wird gezeigt, wie es mithilfe dieser engen Bestimmung möglich ist, die Kultur einer Organisation genau zu erfassen, um Ansätze für Veränderungen identifizieren zu können. Denn: Die einzige Möglichkeit, die Organisationskultur zu beeinflussen, besteht darin – und das mag zunächst paradox klingen –, die formale Struktur der Organisation zu verändern.

Prof. Stefan Kühl, geb. 1966, Studium der Soziologie, Geschichtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft an der Universität Bielefeld, Johns-Hopkins-University Baltimore, Université Paris-X-Nanterre und University of Oxford. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig an den Universitäten in Bangui (Zentralafrikanische Republik), Magdeburg und München. Promotion in Soziologie an der Universität Bielefeld und in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Chemnitz. Habilitation in Soziologie an der Universität München. Gastprofessor an der Venice International University und der Universität Hamburg. Professor für Soziologie an der Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg von 2004 bis 2007. Seit 2007 Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld. Forschungsgebiete: Gesellschaftstheorie, Organisationssoziologie, Interaktionssoziologie, Industrie- und Arbeitssoziologie, Professionssoziologie, Wissenschaftsgeschichte

Systeme der Governance – eine Annäherung

 

Einleitung der Herausgeber/innen zum Buch. Wesenauer A., Oberneder J., Reinbacher P. (2018 Hrsg.): Wie Governance gelingen kann – Auf der Suche nach Antworten mit Beiträgen von Dirk Baecker und Friedrich Glasl.

Auch im 21. Jahrhundert wird die gesellschaftliche Entwicklung noch immer begleitet
von Forderungen, die Folgen der soziokulturellen Evolution und der funktionalen
Differenzierung sowie der damit einhergehenden Steuerungsdefizite in
einzelnen Funktionssystemen – wie beispielsweise im Gesundheits- und im Bildungssystem – durch Integration auf einer höherer Ebene zu kompensieren. Allerdings entpuppt sich die hierarchische Integration gesellschaftlicher Bereiche
durch die „sichtbare Hand“ der Politik zunehmend als Illusion der Moderne und
allenthalben ist ihr eindrucksvolles Scheitern zu beobachten. Gleichzeitig stehen
jedoch auch liberale Marktmodelle – nicht zuletzt aufgrund der weithin sichtbaren
unerwünschten Nebenwirkungen der „unsichtbaren Hand“ – immer stärker in der
Kritik. Die sichtbare und die unsichtbare Hand der hierarchischen Bürokratie und
des Wettbewerbs auf Märkten stoßen als einfache und vor allem eindimensionale
Koordinationsmechanismen ganz offensichtlich immer öfter an die Grenzen ihrer
Leistungsfähigkeit. Damit wiederum drängen sich Fragen nach heterarchischen
Formen der Koordination und der Steuerung auf, um den Herausforderungen der
Postmoderne in der politischen und vor allem auch in der organisationalen Praxis
entsprechend Paroli bieten zu können. Möglicherweise sind deshalb „fluide“ Sozialformen wie Netzwerke, Communities etc. sowie laterale Steuerungsmodelle
wie jene der „Governance“ angemessenere Antwortstrategien im Umgang mit den
komplexen Veränderungsdynamiken, denen wir in großen gesellschaftlichen Politikfeldern begegnen?

Entsprechende Versuche, neue, hybride Koordinationsmechanismen und Organisationsmuster zur Steuerung zu implementieren, führen allerdings ihrerseits zu Eigenlogiken in ihrem Verhalten und zu Dynamiken mit besonderen Herausforderungen und zwar sowohl für die interne (also: die intraorganisationale) als auch für die übergreifende (also: die interorganisationale) Systementwicklung.

Angemessene Steuerungs- und Führungsverständnisse für diese neuen, komplexen und vielschichtigen Systeme der „Governance“ erfordern deshalb fundiertes und reflektiertes Wissen über jene qualitativen Veränderungen, die mit solchen neuen Strukturen einhergehen. Andernfalls läuft ihr Management Gefahr, von unerwünschten Nebenwirkungen in Form von unbeabsichtigten Nah-, Fern- und Wechselwirkungen unvorbereitet auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Zu den zeitgemäßen Kernkompetenzen für Management und Leadership zählt demnach insbesondere der konstruktive Umgang mit Konflikten aufgrund von „Diversity“, denn: Sind nicht heterarchische Koordination zwar flexibler, gleichzeitig aber konfliktanfälliger, weil in fluiden Sozialformen – die den Zugang in vielen Fällen nicht formal regeln können (oder: gar nicht formal regeln wollen) – die „Vielfalt“ zwar im Sinne von „requisite variety“ (W. Ross Ashby) nützlich, aber zugleich problematisch ist – sodass auch gelingende Kooperation nicht vorausgesetzt werden kann?

Vor diesem Hintergrund haben sich die Pädagogische Hochschule und die Gebietskrankenkasse Oberösterreich – als zwei große nationale Player auf den immer wieder im Interesse der öffentlichen Aufmerksamkeit stehenden Feldern der Gesundheits- und der Bildungspolitik – zum Ziel gesetzt, im Rahmen einer Reihe periodischer Veranstaltungen für ihre Führungskräfte mit hochkarätigen Expertinnen und Experten ein solchermaßen angemessenes Steuerungs- und Führungsverständnis zu entwickeln und dieses anhand sowohl theoretisch reflektierter als auch praktisch realisierbarer Lösungsvorschläge für die Arbeit in der Organisationsentwicklung
zu konkretisieren. Dieser Einladung sind im Rahmen der ersten beiden Veranstaltungen Dirk Baecker und Friedrich Glasl gefolgt. Als Ausgangspunkt für die Untersuchung der eingangs skizzierten Problem und Fragestellungen boten sich dabei jene systemisch- onstruktivistischen, mitunter auch systemtheoretischen Ansätze an, die ebenfalls spätestens im 20. und 21. Jahrhundert einen erstaunlichen Aufschwung erlebt haben. Bekanntlich konnten mit ihrer Hilfe in so unterschiedlichen Disziplinen wie in der Biologie (L. v. Bertalanffy, H. v. Foerster), in der Mathematik (G. Spencer-Brown, N. Wiener), in der Medizin und in der Psychotherapie (G. Bateson, F. B. Simon), aber auch in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (T. Parsons, N. Luhmann, D. Baecker) zahlreiche Phänomene bearbeitet werden, die sich bis dahin sowohl einer theoretischen Analyse als auch einer praktischen Nutzung für (politische, unternehmerische und ganz allgemein organisationale) Steuerungsfragen gleichermaßen entzogen hatten.

Die Auftaktveranstaltung im Jahr 2016 hatte in diesem Sinne unmittelbar zum Ziel, die zeitgenössische Systemtheorie in der Tradition von Niklas Luhmann auf ihre aktuelle Bedeutung für die zwei zentralen gesellschaftlichen Politikfelder Bildung und Gesundheit am Beispiel Österreich zu befragen. Für diese Tagung begann Dirk Baecker seine „Übung“ (so die für den Eröffnungsvortrag von ihm selbst gewählte Bezeichnung) zur Führung im System der Governance mit einem „Crash Kurs in Systemtheorie“, bevor er sich der eigentlichen Problemstellung, nämlich der Suche nach einem systemischen Verständnis für die Steuerung und Führung in komplexen Strukturen Governance, zuwandte. Die anschließende Diskussion drehte sich einerseits um Fragen der Interpretation, andererseits um die mögliche Anwendung auf konkrete Problemstellungen der beiden Organisationen, wie von Paul Reinbacher in seinen Gedanken über die Governance im System der Pädagogischen Hochschulen sowie von Wolfgang Hable und Andrea Wesenauer in ihren Ausführungen über Die Gesundheitsreform 2012 in Österreich im Spiegel politischer Steuerungsinstrumente illustriert.

Im Zuge der Veranstaltung konnte außerdem Josef Oberneder ein Interview mit Dirk Baecker über „Führung“ führen, in dem dieser sich – in bekannt pointierten Formulierungen – zu „postheroischer Führung“ äußerte und in diesem Zusammenhang für eine Überwindung des individuellen Narzissmus zugunsten systemischer Selbstorganisation plädierte.

Die darauffolgende zweite Veranstaltung im Jahr 2017 rückte Fragen der Diversität in Systemen sowie den Nutzen der sich daraus ergebenden Kooperations- und Konfliktpotenziale in den Fokus der Aufmerksamkeit. In zwei Vorträgen erläuterte der prominente Konfliktforscher und Berater in Organisationen und in Friedensprozessen, Friedrich Glasl, welche systemischen Effekte ausgehend von Unterscheidungen wie Diversität/Homogenität, Diversität/Polarität etc. möglicherweise zu erwarten sind. Immerhin haben sowohl Konflikt als auch Kooperation ihren Kristallisationskern in einer Differenz (z. B. „ich“ versus „der andere“ bzw. „die andere“, „meine Interessen“ versus „die Interessen anderer“). Diesen Ball nahmen Stefanie Karner in ihrem von der Praxis inspirierten Plädoyer Vielfalt als Erfolgspotenzial! Die OÖGKK am Weg zum „Whole Brain Thinking®“ und Paul Reinbacher in seinen kurzen analytischen Überlegungen zum Konflikt im Kern der Pädagogischen Hochschulen als Ergänzung auf.

An diesem Tag führte Markus Rohrhofer von der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ überdies ein Interview mit Friedrich Glasl und Josef Oberneder über „Diversity und Leadership“, das sehr persönliche Einblicke in den beruflichen und privaten Alltag zweier Führungskräfte mit breitem nationalem und internationalem Erfahrungshintergrund gewährt.

So wollen die Beiträge dieses, nun nach den ersten beiden Jahren vorliegenden Bandes nicht nur als Resümee, sondern darüber hinaus als Einladung zum breiteren Nach-Denken über diese aus Sicht der Praxis anspruchsvollen Veranstaltungen verstanden werden. Dies ist insbesondere deshalb von Nutzen, weil auf diesem Weg die von Dirk Baecker und Friedrich Glasl angestoßenen Irritationen im Zuge des alltäglichen Handelns ihre Bedeutung und ihre nachhaltige Wirkung für die organisationale Praxis entfalten können – und zwar über den engeren Kreis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Pädagogischen Hochschule und der Gebietskrankenkasse Oberösterreich hinaus.
Linz, im Frühjahr 2018

https://www.springer.com/de/book/9783658241131?fbclid=IwAR0HXOZ_02la9IxsMfpn6K8MOzGlvNG-dANZn5XjbNVfMkAIvzkJwzUbMLA

 

Laterale Führung im Kontext von Schulen

Das neue Magazin der Pädagogischen Hochschule beschäftigt sich mit dem Thema Führung. Hier mein Spotlight zum Schwerpunktthema.

Führen an Schulen ist eine kommunikative Meisterleistung.
Schulleiterinnen und Schulleiter können sich längst nicht mehr einfach auf das Steuerungsinstrument der Hierarchie verlassen. Die strukturellen Voraussetzungen werden sich zwar mit den unterschiedlichen Reformbemühungen (Zusammenschluss von Schulen, neue Bildungsdirektionen) immer wieder verändern, aber: In Zeiten von komplexen Aufgaben- und Problemstellungen sind vor allem Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit gefragt. Damit gewinnt eine neue Führungsphilosophie an Bedeutung.

Eine Antwort auf die brennenden Fragestellungen des Führens in Schulen könnte demnach das Konzept des „lateralen Führens“ sein. Der Organisationssoziologe Stefan Kühl spricht von einer seitlichen Führung, die sich vorrangig auf die Zusammenarbeit von Personen als Vertreter ihrer Organisationseinheiten konzentriert. Damit würde die Kooperation der Schulleitung mit den Pädagoginnen und Pädagogen im Sinne der gemeinsamen Erarbeitung eines Denk- und Handlungsrahmens, der an die Stelle von persönlich verfestigten Sichtweisen tritt, zur zentralen Managementaufgabe.

Das Zusammenspiel von unterschiedlicher Interessen und das Know how von unterschiedlichen Personen zu verbinden setzt aber sehr wohl den professionellen Umgang mit Macht und Vertrauen voraus. Laterales Führen bedeutet nicht den naiven Verzicht auf funktionale Kompetenzen und Aufgaben innerhalb der Schule. Kurz: Führung wird unter diesen Prämissen eben in Schulen zur kommunikativen Meisterleistung. Das aktuelle Magazin der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich gibt einen aktuellen Überblick über die zweifellos herausfordernde Aufgabe von Führung aus unterschiedlichen Perspektiven.

Die Zeichen für die Zukunft stehen gut. Mit der Einführung des Hochschullehrgangs „Schulen professionell führen“ und der damit verbundenen Möglichkeit einer Vorqualifikation, werden Pädagoginnen und Pädagogen in unterschiedlichen Führungs- und Organisationsfragen Hilfe und Antworten erhalten.

Link zur Mediathek der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich.

https://ph-ooe.at/media.html

 

Demokratisches Handeln in Zeiten politischer Konfusion

Anlässlich der Verleihung des Preises der Stadt Linz  „Stadt der Vielfalt 2018 – Demokratie ist Vielfalt“ wurde ich als Sprecher der Jury eingeladen, eine kurze Rede zu halten.

Hier eine kurze  inhaltliche Zusammenfassung meines Statements:
Es ist unübersehbar, dass Politiker rund um den Globus manchmal durch ihre Handlungen die Gesellschaft von einer Krise zur nächsten führen. Die Wahlkampfmaschinen konzentrieren sich auf kurzfristige Ziele und die konsequente Personalisierung der Spitzenkandidaten ihrer Parteien. Komplexe Sachfragen werden dabei den kurzfristigen parteipolitischen Kalkülen untergeordnet. Das große Ganze wird nicht mehr gelesen: Finanzkrisen, Klimawandel, Migrationsproblematik, soziale Absicherung und vor allem die Stärkung des Demokratieverständnisses. Viktor Orbàn spricht offen über ein „Ende der Epoche der liberalen Demokratie“. Kurz: Wir befinden uns in Zeiten politischer Konfusion. Für den Soziologen Helmut Willke sei mit der Entzauberung der Demokratie mittlerweile eine systemgefährdende Qualität erreicht worden.

Vor diesem Hintergrund, lohnt es sich daran zu erinnern, was unsere demokratischen Grundverständnisse sind. Ist doch die Demokratie jene Ordnung, die jeder Bürgerin und jedem Bürger unveräußerliche menschlichen Rechte garantiert. Das Recht auf Leben, das Recht auf individuelle und kollektive Selbstbestimmung, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Recht auf Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, das Recht auf gleiche Anerkennung und gleichen Respekt, das Recht auf freie Meinungsäußerung um nur einige zu nennen. Vielleicht könnte man auch von einer Art gemeinsamen Suche nach dem „geteilten Unbezweifelten“ sprechen, um eine Aussage des Philosophen Julian Nida-Rümelin zu beanspruchen.

Mit der Verleihung der Preise „Stadt der Vielfalt – Demokratie ist Vielfalt“ hat erst kürzlich die Stadt Linz bewiesen, dass Initiativen von Institutionen, Vereinen, Organisationen und Einzelpersonen und deren Bemühen um ein demokratisches Grundverständnis ausgezeichnet werden. Allen Projekten war eines gemeinsam: Sie orientieren sich an der gegenseitigen Anerkennung der Kulturen und des gemeinsamen Respekts und leisten damit einen wesentlichen Beitrag für demokratisches Handeln in Zeiten politischer Konfusion. Gratulation der Stadt Linz und allen Preisträgern!

 

 

Schulentwicklung

Im neuen Magazin 2/2018 der Pädagogischen Hochschule OÖ diskutieren wir das wichtige und zentrale Thema der Schulentwicklung. Hier mein Vorwort und der link zur elektronischen Ausgabe unseres Magazins.

https://ph-ooe.at/fileadmin/Daten_PHOOE/ebooks/PH%20OOE%20Magazine/Schulentwicklung/HTML/index.html

 

Die Frage ist nicht was auf unsere Schulen zukommt, sondern vielmehr wohin unsere Schulen gehen wollen. Längst sind Schulen keine rational definierten Organisationen, sondern vielmehr zielsuchende und sinnsuchende Systeme. Damit wird deutlich ersichtlich, dass im Mittelpunkt der Schulen Menschen mit ihren Ideen, ihren Innovationen und ihren Gestaltungspotenzial stehen. Schule kann demnach nicht reduziert werden auf einen Ort der gelungenen oder misslungenen Wissensvermittlung. Vielmehr ist Schule ein multifunktionaler Ort einer modernen und inklusiven Gesellschaft. Hier wird Schülerinnen und Schülern gelehrt, ihren eigenen Standpunkt zu vertreten, sich und andere zu achten, Mut zu haben und Gefühle zu äußern, beharrlich zu argumentieren, sich den eigenen Grenzen bewusst zu werden und sich der öffentlichen Täuschung zu widersetzen. Vielleicht sind es gerade diese und ähnliche „Kompetenzen“, die Schule als den Ort der Ziel- und Sinnsuche kennzeichnen – neben der Vermittlung notwendiger Grund- und Fachkompetenzen.

Das aktuelle Magazin der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich gibt einen Überblick über die zeitgemäßen und zweifellos großen Herausforderungen in der Entwicklung von Schulen. Dabei werden Themen der Qualitätsentwicklung, der außerschulischen Kooperation genauso diskutiert, wie Fragenstellungen der Inklusion oder eben der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Die Pädagogische Hochschule Oberösterreich als tertiäre Bildungsstätte unterstützt Sie, sehr geehrte Pädagoginnen und Pädagogen, bei der Bewältigung dieser künftigen Herausforderungen mit einem breiten Angebot im Bereich der Schulentwicklung.

Die gemeinsame Arbeit mit Ihnen, sehr geehrte Pädagoginnen und Pädagogen, ist eine „Co-Kreation“, in der wir Ihre Bedürfnisse ernst nehmen und maßgeschneiderte Konzepte entwickeln. Jedenfalls sind wir davon überzeugt, dass Schulentwicklung und das Gestalten von Veränderungsprozessen den Worten von Charles Handy entsprechen: „Change is only another word for growth, another synonym for learning“.

 

Schule und Schulentwicklung im Kontext lebenslangen Lernens

Vorwort der Herausgeber/innen (Oberneder/Nachbaur/Prorok 2018 – Trauner Verlag)
Pädagoginnen und Pädagogen wissen sehr genau, dass Lernen in der heutigen Wissensgesellschaft eine zentrale Bedeutung zukommt. Das eigene Wissen und Können zu erweitern und zu verfeinern ist dabei ebenso wesentlich wie das eigene Lernen zu reflektieren. Auf diese Weise wird neben der Theorie ein erfahrungsbasiertes Verständnis von Lernprozessen erlangt. Aufgabe von Lehrer/innenbildung ist es, einerseits Studierende auf diesen pädagogischen Weg zu bringen, andererseits Inhalte und Formate der Fort- und Weiterbildungen anzubieten, die Praktiker/innen an pädagogischen Einrichtungen in ihrer Arbeit bestmöglich unterstützen.
Die Wirksamkeit von Fortbildung, die Notwendigkeit von Schulentwicklung und die Erarbeitung von didaktischen Konzepten als Antwort auf die sich permanent ändernden Bedingungen für Schule und Unterricht sind Schwerpunkte in der Bildungsforschung. Eine Reihe von neueren Studien belegt, dass Fortbildungen einen wirksamen Beitrag zur Verbesserung des Bildungswesens leisten und sich unter günstigen Voraussetzungen zudem direkt auf den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern auswirken. Gleichzeitig ist es der Auftrag von Fort- und Weiterbildung an Pädagogischen Hochschulen, bei der Umsetzung von Reformen und pädagogischen Schwerpunkten zu unterstützen. So sind Fortbildner/innen häufig gefordert, gesetzliche Vorgaben in pädagogisch relevante Konzepte umzuwandeln. Desgleichen forschen sie nach geeigneten Programmen in der Literatur oder entwickeln selbst Curricula für Lehrgänge, die bei der Weiterentwicklung von Schule angewandt werden können. Sie sind davon überzeugt, dass Schulentwicklung sowohl an den Einzelstandorten als auch allgemein die Qualität und Effizienz der Arbeit an der Schule steigert. Mit der Erarbeitung von theorie- und/oder erfahrungsbasierten didaktischen Konzepten wollen sie ferner Lehrpersonen dazu anregen, sich als Lernende zu betrachten und somit die Reflexion über das eigene unterrichtliche Handeln und die persönliche Weiterentwicklung zu aktivieren. Ein Ausschnitt aus dieser Expertise liegt nun in Form dieses Buches vor.
Die Beiträge im ersten Abschnitt beschäftigen sich mit zukunftsorientierten didaktischen Konzepten, die für die dritte Phase der Lehrer/innenbildung geeignet sind. Adelheid Berghammer stellt den Lehrgang „Konfliktlotse“ vor, der die Förderung der Konfliktlösekompetenz von Lehrkräften zum Ziel hat. Anna Strasser-Roser legt dar, wie Entrepreneurship-Education, basierend auf Action Learning einen wichtigen Beitrag zur Lernkultur von Schule auf allen Ebenen leisten kann. eLearning hingegen verursacht neue Herausforderungen für die allgemeine Didaktik. Welche Komponenten unterstützend sein können, um die Lernenden in eLearning-Einheiten zu motivieren, beschreibt Claudia Malli-Voglhuber. In Lehrveranstaltungen von Lehramtsstudien geschieht meist genau das, worüber gelehrt und reflektiert wird, meint Johann Rothböck. Er beleuchtet in seinem Beitrag die Prinzipien von „Selbstähnlichkeit“ und „pädagogischer Doppeldecker“, die bei einem Musterwechsel in Richtung „lernseitige Orientierung“ hilfreich sind.
Im Abschnitt Schule und Schulentwicklung widmen sich zwei Beiträge dem digitalen Unterricht. Christine Kladnik berichtet von einem eTwinning-Projekt, das an einer NMS durchgeführt wurde. Josef Grabner blickt auf den mehrstufigen „School Walkthrough“ und fokussiert dabei die digitalen Kompetenzen für die Neue Mittelschule. Zielsetzung dieses Entwicklungsplanes ist, dass keine Schülerin/kein Schüler die 8. Schulstufe ohne die darin definierten Kompetenzen verlässt. Im Kindergarten orientiert sich das pädagogische Bild vom Kind an dessen Potenzialen und Interessen. Den traditionellen Schulunterricht hingegen prägen meist Belehrung, Kontrolle und Beurteilung. In seinem Artikel „Was kann Schule vom Kindergarten lernen? Ein Beitrag zur elementarpädagogischen Bildungsdebatte“ führt Thomas Wahlmüller aus, wie die Förderung von eigenen Ideen, Selbsttätigkeit und Selbstorganisation auch in der Schule den Übergang vom interessensgeleiteten zum aufgabenorientierten Lernen erleichtern kann. Die „Sozialwirksame Schule“ ist ein pädagogisches Schulentwicklungskonzept im Sinne von Prävention und Intervention. Grundlagen, Implementierung und Evaluation dieses Konzepts erläutert Herta Hörmann.
Mit der Thematik Fortbildung für Pädagoginnen und Pädagogen befassen sich vier Beiträge. Zwei davon präsentieren Fortbildungsformate, die an der Pädagogischen Hochschule entwickelt wurden. Karin Ettl und Ulrike Friedwagner-Evers beschreiben das Unterrichtsentwicklungskonzept „Schüleraktivierung durch Methodenkompetenz“ (SAM) und überprüfen in ihrem Beitrag, inwieweit dieses Konzept von Faktoren nachhaltiger und wirksamer Fortbildung getragen wird. Renate Leeb-Brandstätter beschäftigt sich ebenfalls mit wirkungsorientierter Fortbildung anhand des Fortbildungszertifikates, das Lehrerinnen und Lehrer dabei unterstützen soll, die Folgen ihres unterrichtspraktischen Handelns zu verdeutlichen. Getrud Nachbaur definiert den Fortbildungsbedarf aus verschiedenen Perspektiven und stellt einige Qualifizierungsangebote der PH OÖ vor. Judith Prorok widmet sich in ihrem Beitrag den Rahmenbedingungen der Leiterinnen und Leitern von Arbeitsgemeinschaften, einer wichtigen Gruppe von Planenden in der Fortbildung.
Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass alle Autorinnen und Autoren Mitarbeiter/innen der PH OÖ sind. Dass sie über einen großen praktischen Erfahrungsschatz verfügen, weil sie als Lehrpersonen an Schulen entweder noch immer tätig sind oder dies über lange Zeit hinweg waren, ist ein Umstand, der sie darüber hinaus verbindet.

 

 

Offizielle Stellungnahme durch das Rektorat der PH OÖ zum Gesetzesentwurf „Deutschförderklassen“

Stellungnahme zum Gesetzesentwurf zur Änderung des SchOG („Deutschförderklassen und Deutschförderkurse“) § 8e und § 8h, sowie SchUG und SchPflG.

Sehr geschätzte Damen und Herren!
Das Rektorat der PH OÖ bringt in den folgenden Ausführungen eine Stellungnahme zum o. a. Gesetzesentwurf bei. Dies geschieht unter Einbindung des Fachbereiches Sprachliche Bildung und des Bundeszentrums für Inklusive Pädagogik, die beide an der PH OÖ situiert sind.
Aus Sicht der Bildungsforschung wird das vorgeschlagene System der Deutschförderklassen kritisch gesehen, der intendierte schnelle Spracherwerb kann nicht nachvollzogen werden. Abgesehen von den organisatorischen und raumtechnischen Problematiken ist die angedachte Änderung der Gesetze kein taugliches Mittel die notwendige soziale Integration pädagogisch gehaltvoll an Schulen weiterzuentwickeln.
Dies wird wie folgt begründet:
Segregation behindert Sprachentwicklung, (1) weil segregierte Schüler/innen kaum positive Lernmotivation entwickeln können; (2) weil Sprachkontakt mit besser Deutsch sprechenden Schüler/innen unterbunden wird; und (3) weil durch das Vorenthalten von Regelunterricht (insbesondere Fachunterricht) die bildungssprachliche Entwicklung im Deutschen gehemmt wird.
Der Gesetzentwurf enthält in Bezug auf die „Deutschförderklassen“ eine Reihe segregativer Elemente:
• 15 von 20 (Primar) bzw. 20 von 28 WSt. (Sekundar) = 70-75% des Unterrichts finden außerhalb des Klassenverbands der so genannten „Stammklasse“ statt;
• weitere Segregationseffekte: Klassen werden aus organisatorischen Gründen so zusammengestellt, dass alle a.o.-Schüler/innen in einer „Stammklasse“ sind;
• Klassenwiederholung wegen „Lernrückständen“ soll zur gängigen Praxis werden;
• bei klassenübergreifender oder gar schulübergreifender Gestaltung geht der Bezug zum Klassenverband notwendiger Weise vollständig verloren.
Die Unterrichtung in eigenen Sprachklassen ist eine Diskriminierung der betroffenen Schüler/innen, da die Nichtunterrichtung oder erheblich reduzierte Unterrichtung in Sachfächern für Schüler/innen in Deutschförderklassen eine quantitative und qualitative Reduzierung von Bildung und somit eine Benachteiligung im Zugang zu Bildung für Schüler/innen in Deutschförderklassen darstellen.
Die Einschränkung im Recht auf Bildung und in der demokratischen Teilhabe (keine Klassensprecher/in und kein Klassenforum in Deutschförderklassen) für Schüler/innen in Deutschförderklassen ist unverhältnismäßig und stellt eine Benachteiligung in der demokratischen Teilhabe von Schüler/innen in Deutschförderklassen dar.
Die Erhöhung von Ausmaß und Intensität der Deutschförderung scheint nicht gewährleistet zu sein: Wenn keine Deutschförderklasse zustande kommt bzw. ein/e Schüler/in nicht als a.o. geführt wird, bleiben nur sechs Stunden Deutschförderkurs. Zudem wird in einer heterogen zusammengesetzten Deutschförderklasse mit bis zu 25 Schüler/innen auch bei 15 bzw. 20 WSt. die Förderintensität für die einzelnen Schüler/innen sehr gering ausfallen.

Eine qualitativ hochwertige Sprachstandsdiagnose („objektive und transparente Feststellung“), die eine Vorbedingung für zielgerichtete Förderung ist, scheint nicht gewährleistet. Weiters ist problematisch, dass die Testung des Sprachstandes in der Übergangszeit ausschließlich den Schulleitungen obliegt und keine Vorgaben des BMBWF (Testart, Testdauer, Durchführungsrahmen) vorgesehen sind.
Die organisatorische Umsetzung erscheint sehr problematisch. Der vorliegende Gesetzesentwurf zielt auf eine völlige Neuorganisation der Sprachförderung für Kinder mit dem Status „Außerordentliche/r Schüler/in“ ab. Die bis dato geltende Praxis und situativ flexible Handhabung bei der Organisation von Sprachgruppen wird durch eine legistische Normsetzung mit restriktiven Vorgaben bei der Bildung von Klassen und Sprachfördergruppen ersetzt. Die Vorgabe, dass ab sechs Schüler/innen eine Deutschförderklasse zwingend mit 15 Std. Deutsch (in der VS) und 20 Std. Deutsch in der NMS einzurichten ist, bedeutet an Standorten mit hoher Anzahl an „a.o.“ Schüler/innen einen enormen Organisations- und Raumbedarf. Besonders an Standorten in Ballungsgebieten entstehen dadurch mehr „Deutschförderklassen“ als „Regelklassen“! Der im Gesetz vorgesehene gemeinsame Unterricht in BE, ME und BSP ist organisatorisch nicht zu erfüllen. In der Realität werden an Standorten mit sozialpädagogischen großen Herausforderungen sehr hohe Schülerzahlen beim Start der Deutschförderklassen zu erwarten sein und dieser Sachverhalt erschwert die individuelle und differenzierte Förderung – im Gegensatz zu den jetzt praktizierten Sprachfördergruppen – massiv.
Keine Klärung gibt die Gesetzesvorlage auch bezüglich der Organisation der Regelklassen nach dem Einwechseln von Schüler/innen. Müssen Regelklassen ab Semester (Einwechslungsmöglichkeit) auch mit wesentlich mehr als 25 Schüler/innen geführt werden? Als besonders problematisch wird sich der durch den bis zu zwei Jahre dauernden Aufenthalt in der Deutschförderklasse entstehende Schullaufbahnverlust erweisen.

Das Rektorat der PH OÖ plädiert daher für ein Überdenken der Gesetzesnovelle unter Einbindung einer nationalen Expertengruppe.

11.4.2018

Das Magazin der PH OÖ „Gesellschaft“

Bildung bezeichnet nach Wolfgang Klafki die Fähigkeit, selbstbestimmt, kritisch, sachkompetent und solidarisch an der Lösung der Schlüsselprobleme der Gesellschaft mitzuwirken. Einen wesentlichen Beitrag zur Vermittlung dieser Fähigkeiten kommt in der Schule sozialwissenschaftlichen Fächern wie Geschichte und Poltische Bildung, Geografie und Wirtschaftskunde zu.

Meine Kollegin Vizerektorin Katharina Soukup-Altrichter beschreibt in ihrer Einführung zum Magazin der Pädagogischen Hochschule OÖ „Gesellschaft“, dass die Entwicklung der Fähigkeit zur Selbstbestimmung und Solidarität einen Unterricht benötigt, der individuelle Bedürfnisse ebenso in den Blick nimmt wie das Gemeinwohl für ein solidarisches und selbstbestimmtes Miteinander in einer Gesellschaft von morgen.

Hier der link zum Magazin der PH OÖ.

https://ph-ooe.at/fileadmin/Daten_PHOOE/ebooks/PH%20OOE%20Magazine/Gesellschaft/HTML/index.html#2/z

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