Laterale Führung im Kontext von Schulen

Das neue Magazin der Pädagogischen Hochschule beschäftigt sich mit dem Thema Führung. Hier mein Spotlight zum Schwerpunktthema.

Führen an Schulen ist eine kommunikative Meisterleistung.
Schulleiterinnen und Schulleiter können sich längst nicht mehr einfach auf das Steuerungsinstrument der Hierarchie verlassen. Die strukturellen Voraussetzungen werden sich zwar mit den unterschiedlichen Reformbemühungen (Zusammenschluss von Schulen, neue Bildungsdirektionen) immer wieder verändern, aber: In Zeiten von komplexen Aufgaben- und Problemstellungen sind vor allem Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit gefragt. Damit gewinnt eine neue Führungsphilosophie an Bedeutung.

Eine Antwort auf die brennenden Fragestellungen des Führens in Schulen könnte demnach das Konzept des „lateralen Führens“ sein. Der Organisationssoziologe Stefan Kühl spricht von einer seitlichen Führung, die sich vorrangig auf die Zusammenarbeit von Personen als Vertreter ihrer Organisationseinheiten konzentriert. Damit würde die Kooperation der Schulleitung mit den Pädagoginnen und Pädagogen im Sinne der gemeinsamen Erarbeitung eines Denk- und Handlungsrahmens, der an die Stelle von persönlich verfestigten Sichtweisen tritt, zur zentralen Managementaufgabe.

Das Zusammenspiel von unterschiedlicher Interessen und das Know how von unterschiedlichen Personen zu verbinden setzt aber sehr wohl den professionellen Umgang mit Macht und Vertrauen voraus. Laterales Führen bedeutet nicht den naiven Verzicht auf funktionale Kompetenzen und Aufgaben innerhalb der Schule. Kurz: Führung wird unter diesen Prämissen eben in Schulen zur kommunikativen Meisterleistung. Das aktuelle Magazin der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich gibt einen aktuellen Überblick über die zweifellos herausfordernde Aufgabe von Führung aus unterschiedlichen Perspektiven.

Die Zeichen für die Zukunft stehen gut. Mit der Einführung des Hochschullehrgangs „Schulen professionell führen“ und der damit verbundenen Möglichkeit einer Vorqualifikation, werden Pädagoginnen und Pädagogen in unterschiedlichen Führungs- und Organisationsfragen Hilfe und Antworten erhalten.

Link zur Mediathek der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich.

https://ph-ooe.at/media.html

 

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Demokratisches Handeln in Zeiten politischer Konfusion

Anlässlich der Verleihung des Preises der Stadt Linz  „Stadt der Vielfalt 2018 – Demokratie ist Vielfalt“ wurde ich als Sprecher der Jury eingeladen, eine kurze Rede zu halten.

Hier eine kurze  inhaltliche Zusammenfassung meines Statements:
Es ist unübersehbar, dass Politiker rund um den Globus manchmal durch ihre Handlungen die Gesellschaft von einer Krise zur nächsten führen. Die Wahlkampfmaschinen konzentrieren sich auf kurzfristige Ziele und die konsequente Personalisierung der Spitzenkandidaten ihrer Parteien. Komplexe Sachfragen werden dabei den kurzfristigen parteipolitischen Kalkülen untergeordnet. Das große Ganze wird nicht mehr gelesen: Finanzkrisen, Klimawandel, Migrationsproblematik, soziale Absicherung und vor allem die Stärkung des Demokratieverständnisses. Viktor Orbàn spricht offen über ein „Ende der Epoche der liberalen Demokratie“. Kurz: Wir befinden uns in Zeiten politischer Konfusion. Für den Soziologen Helmut Willke sei mit der Entzauberung der Demokratie mittlerweile eine systemgefährdende Qualität erreicht worden.

Vor diesem Hintergrund, lohnt es sich daran zu erinnern, was unsere demokratischen Grundverständnisse sind. Ist doch die Demokratie jene Ordnung, die jeder Bürgerin und jedem Bürger unveräußerliche menschlichen Rechte garantiert. Das Recht auf Leben, das Recht auf individuelle und kollektive Selbstbestimmung, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Recht auf Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, das Recht auf gleiche Anerkennung und gleichen Respekt, das Recht auf freie Meinungsäußerung um nur einige zu nennen. Vielleicht könnte man auch von einer Art gemeinsamen Suche nach dem „geteilten Unbezweifelten“ sprechen, um eine Aussage des Philosophen Julian Nida-Rümelin zu beanspruchen.

Mit der Verleihung der Preise „Stadt der Vielfalt – Demokratie ist Vielfalt“ hat erst kürzlich die Stadt Linz bewiesen, dass Initiativen von Institutionen, Vereinen, Organisationen und Einzelpersonen und deren Bemühen um ein demokratisches Grundverständnis ausgezeichnet werden. Allen Projekten war eines gemeinsam: Sie orientieren sich an der gegenseitigen Anerkennung der Kulturen und des gemeinsamen Respekts und leisten damit einen wesentlichen Beitrag für demokratisches Handeln in Zeiten politischer Konfusion. Gratulation der Stadt Linz und allen Preisträgern!

 

 

Schulentwicklung

Im neuen Magazin 2/2018 der Pädagogischen Hochschule OÖ diskutieren wir das wichtige und zentrale Thema der Schulentwicklung. Hier mein Vorwort und der link zur elektronischen Ausgabe unseres Magazins.

https://ph-ooe.at/fileadmin/Daten_PHOOE/ebooks/PH%20OOE%20Magazine/Schulentwicklung/HTML/index.html

 

Die Frage ist nicht was auf unsere Schulen zukommt, sondern vielmehr wohin unsere Schulen gehen wollen. Längst sind Schulen keine rational definierten Organisationen, sondern vielmehr zielsuchende und sinnsuchende Systeme. Damit wird deutlich ersichtlich, dass im Mittelpunkt der Schulen Menschen mit ihren Ideen, ihren Innovationen und ihren Gestaltungspotenzial stehen. Schule kann demnach nicht reduziert werden auf einen Ort der gelungenen oder misslungenen Wissensvermittlung. Vielmehr ist Schule ein multifunktionaler Ort einer modernen und inklusiven Gesellschaft. Hier wird Schülerinnen und Schülern gelehrt, ihren eigenen Standpunkt zu vertreten, sich und andere zu achten, Mut zu haben und Gefühle zu äußern, beharrlich zu argumentieren, sich den eigenen Grenzen bewusst zu werden und sich der öffentlichen Täuschung zu widersetzen. Vielleicht sind es gerade diese und ähnliche „Kompetenzen“, die Schule als den Ort der Ziel- und Sinnsuche kennzeichnen – neben der Vermittlung notwendiger Grund- und Fachkompetenzen.

Das aktuelle Magazin der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich gibt einen Überblick über die zeitgemäßen und zweifellos großen Herausforderungen in der Entwicklung von Schulen. Dabei werden Themen der Qualitätsentwicklung, der außerschulischen Kooperation genauso diskutiert, wie Fragenstellungen der Inklusion oder eben der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Die Pädagogische Hochschule Oberösterreich als tertiäre Bildungsstätte unterstützt Sie, sehr geehrte Pädagoginnen und Pädagogen, bei der Bewältigung dieser künftigen Herausforderungen mit einem breiten Angebot im Bereich der Schulentwicklung.

Die gemeinsame Arbeit mit Ihnen, sehr geehrte Pädagoginnen und Pädagogen, ist eine „Co-Kreation“, in der wir Ihre Bedürfnisse ernst nehmen und maßgeschneiderte Konzepte entwickeln. Jedenfalls sind wir davon überzeugt, dass Schulentwicklung und das Gestalten von Veränderungsprozessen den Worten von Charles Handy entsprechen: „Change is only another word for growth, another synonym for learning“.

 

Schule und Schulentwicklung im Kontext lebenslangen Lernens

Vorwort der Herausgeber/innen (Oberneder/Nachbaur/Prorok 2018 – Trauner Verlag)
Pädagoginnen und Pädagogen wissen sehr genau, dass Lernen in der heutigen Wissensgesellschaft eine zentrale Bedeutung zukommt. Das eigene Wissen und Können zu erweitern und zu verfeinern ist dabei ebenso wesentlich wie das eigene Lernen zu reflektieren. Auf diese Weise wird neben der Theorie ein erfahrungsbasiertes Verständnis von Lernprozessen erlangt. Aufgabe von Lehrer/innenbildung ist es, einerseits Studierende auf diesen pädagogischen Weg zu bringen, andererseits Inhalte und Formate der Fort- und Weiterbildungen anzubieten, die Praktiker/innen an pädagogischen Einrichtungen in ihrer Arbeit bestmöglich unterstützen.
Die Wirksamkeit von Fortbildung, die Notwendigkeit von Schulentwicklung und die Erarbeitung von didaktischen Konzepten als Antwort auf die sich permanent ändernden Bedingungen für Schule und Unterricht sind Schwerpunkte in der Bildungsforschung. Eine Reihe von neueren Studien belegt, dass Fortbildungen einen wirksamen Beitrag zur Verbesserung des Bildungswesens leisten und sich unter günstigen Voraussetzungen zudem direkt auf den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern auswirken. Gleichzeitig ist es der Auftrag von Fort- und Weiterbildung an Pädagogischen Hochschulen, bei der Umsetzung von Reformen und pädagogischen Schwerpunkten zu unterstützen. So sind Fortbildner/innen häufig gefordert, gesetzliche Vorgaben in pädagogisch relevante Konzepte umzuwandeln. Desgleichen forschen sie nach geeigneten Programmen in der Literatur oder entwickeln selbst Curricula für Lehrgänge, die bei der Weiterentwicklung von Schule angewandt werden können. Sie sind davon überzeugt, dass Schulentwicklung sowohl an den Einzelstandorten als auch allgemein die Qualität und Effizienz der Arbeit an der Schule steigert. Mit der Erarbeitung von theorie- und/oder erfahrungsbasierten didaktischen Konzepten wollen sie ferner Lehrpersonen dazu anregen, sich als Lernende zu betrachten und somit die Reflexion über das eigene unterrichtliche Handeln und die persönliche Weiterentwicklung zu aktivieren. Ein Ausschnitt aus dieser Expertise liegt nun in Form dieses Buches vor.
Die Beiträge im ersten Abschnitt beschäftigen sich mit zukunftsorientierten didaktischen Konzepten, die für die dritte Phase der Lehrer/innenbildung geeignet sind. Adelheid Berghammer stellt den Lehrgang „Konfliktlotse“ vor, der die Förderung der Konfliktlösekompetenz von Lehrkräften zum Ziel hat. Anna Strasser-Roser legt dar, wie Entrepreneurship-Education, basierend auf Action Learning einen wichtigen Beitrag zur Lernkultur von Schule auf allen Ebenen leisten kann. eLearning hingegen verursacht neue Herausforderungen für die allgemeine Didaktik. Welche Komponenten unterstützend sein können, um die Lernenden in eLearning-Einheiten zu motivieren, beschreibt Claudia Malli-Voglhuber. In Lehrveranstaltungen von Lehramtsstudien geschieht meist genau das, worüber gelehrt und reflektiert wird, meint Johann Rothböck. Er beleuchtet in seinem Beitrag die Prinzipien von „Selbstähnlichkeit“ und „pädagogischer Doppeldecker“, die bei einem Musterwechsel in Richtung „lernseitige Orientierung“ hilfreich sind.
Im Abschnitt Schule und Schulentwicklung widmen sich zwei Beiträge dem digitalen Unterricht. Christine Kladnik berichtet von einem eTwinning-Projekt, das an einer NMS durchgeführt wurde. Josef Grabner blickt auf den mehrstufigen „School Walkthrough“ und fokussiert dabei die digitalen Kompetenzen für die Neue Mittelschule. Zielsetzung dieses Entwicklungsplanes ist, dass keine Schülerin/kein Schüler die 8. Schulstufe ohne die darin definierten Kompetenzen verlässt. Im Kindergarten orientiert sich das pädagogische Bild vom Kind an dessen Potenzialen und Interessen. Den traditionellen Schulunterricht hingegen prägen meist Belehrung, Kontrolle und Beurteilung. In seinem Artikel „Was kann Schule vom Kindergarten lernen? Ein Beitrag zur elementarpädagogischen Bildungsdebatte“ führt Thomas Wahlmüller aus, wie die Förderung von eigenen Ideen, Selbsttätigkeit und Selbstorganisation auch in der Schule den Übergang vom interessensgeleiteten zum aufgabenorientierten Lernen erleichtern kann. Die „Sozialwirksame Schule“ ist ein pädagogisches Schulentwicklungskonzept im Sinne von Prävention und Intervention. Grundlagen, Implementierung und Evaluation dieses Konzepts erläutert Herta Hörmann.
Mit der Thematik Fortbildung für Pädagoginnen und Pädagogen befassen sich vier Beiträge. Zwei davon präsentieren Fortbildungsformate, die an der Pädagogischen Hochschule entwickelt wurden. Karin Ettl und Ulrike Friedwagner-Evers beschreiben das Unterrichtsentwicklungskonzept „Schüleraktivierung durch Methodenkompetenz“ (SAM) und überprüfen in ihrem Beitrag, inwieweit dieses Konzept von Faktoren nachhaltiger und wirksamer Fortbildung getragen wird. Renate Leeb-Brandstätter beschäftigt sich ebenfalls mit wirkungsorientierter Fortbildung anhand des Fortbildungszertifikates, das Lehrerinnen und Lehrer dabei unterstützen soll, die Folgen ihres unterrichtspraktischen Handelns zu verdeutlichen. Getrud Nachbaur definiert den Fortbildungsbedarf aus verschiedenen Perspektiven und stellt einige Qualifizierungsangebote der PH OÖ vor. Judith Prorok widmet sich in ihrem Beitrag den Rahmenbedingungen der Leiterinnen und Leitern von Arbeitsgemeinschaften, einer wichtigen Gruppe von Planenden in der Fortbildung.
Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass alle Autorinnen und Autoren Mitarbeiter/innen der PH OÖ sind. Dass sie über einen großen praktischen Erfahrungsschatz verfügen, weil sie als Lehrpersonen an Schulen entweder noch immer tätig sind oder dies über lange Zeit hinweg waren, ist ein Umstand, der sie darüber hinaus verbindet.

 

 

Offizielle Stellungnahme durch das Rektorat der PH OÖ zum Gesetzesentwurf „Deutschförderklassen“

Stellungnahme zum Gesetzesentwurf zur Änderung des SchOG („Deutschförderklassen und Deutschförderkurse“) § 8e und § 8h, sowie SchUG und SchPflG.

Sehr geschätzte Damen und Herren!
Das Rektorat der PH OÖ bringt in den folgenden Ausführungen eine Stellungnahme zum o. a. Gesetzesentwurf bei. Dies geschieht unter Einbindung des Fachbereiches Sprachliche Bildung und des Bundeszentrums für Inklusive Pädagogik, die beide an der PH OÖ situiert sind.
Aus Sicht der Bildungsforschung wird das vorgeschlagene System der Deutschförderklassen kritisch gesehen, der intendierte schnelle Spracherwerb kann nicht nachvollzogen werden. Abgesehen von den organisatorischen und raumtechnischen Problematiken ist die angedachte Änderung der Gesetze kein taugliches Mittel die notwendige soziale Integration pädagogisch gehaltvoll an Schulen weiterzuentwickeln.
Dies wird wie folgt begründet:
Segregation behindert Sprachentwicklung, (1) weil segregierte Schüler/innen kaum positive Lernmotivation entwickeln können; (2) weil Sprachkontakt mit besser Deutsch sprechenden Schüler/innen unterbunden wird; und (3) weil durch das Vorenthalten von Regelunterricht (insbesondere Fachunterricht) die bildungssprachliche Entwicklung im Deutschen gehemmt wird.
Der Gesetzentwurf enthält in Bezug auf die „Deutschförderklassen“ eine Reihe segregativer Elemente:
• 15 von 20 (Primar) bzw. 20 von 28 WSt. (Sekundar) = 70-75% des Unterrichts finden außerhalb des Klassenverbands der so genannten „Stammklasse“ statt;
• weitere Segregationseffekte: Klassen werden aus organisatorischen Gründen so zusammengestellt, dass alle a.o.-Schüler/innen in einer „Stammklasse“ sind;
• Klassenwiederholung wegen „Lernrückständen“ soll zur gängigen Praxis werden;
• bei klassenübergreifender oder gar schulübergreifender Gestaltung geht der Bezug zum Klassenverband notwendiger Weise vollständig verloren.
Die Unterrichtung in eigenen Sprachklassen ist eine Diskriminierung der betroffenen Schüler/innen, da die Nichtunterrichtung oder erheblich reduzierte Unterrichtung in Sachfächern für Schüler/innen in Deutschförderklassen eine quantitative und qualitative Reduzierung von Bildung und somit eine Benachteiligung im Zugang zu Bildung für Schüler/innen in Deutschförderklassen darstellen.
Die Einschränkung im Recht auf Bildung und in der demokratischen Teilhabe (keine Klassensprecher/in und kein Klassenforum in Deutschförderklassen) für Schüler/innen in Deutschförderklassen ist unverhältnismäßig und stellt eine Benachteiligung in der demokratischen Teilhabe von Schüler/innen in Deutschförderklassen dar.
Die Erhöhung von Ausmaß und Intensität der Deutschförderung scheint nicht gewährleistet zu sein: Wenn keine Deutschförderklasse zustande kommt bzw. ein/e Schüler/in nicht als a.o. geführt wird, bleiben nur sechs Stunden Deutschförderkurs. Zudem wird in einer heterogen zusammengesetzten Deutschförderklasse mit bis zu 25 Schüler/innen auch bei 15 bzw. 20 WSt. die Förderintensität für die einzelnen Schüler/innen sehr gering ausfallen.

Eine qualitativ hochwertige Sprachstandsdiagnose („objektive und transparente Feststellung“), die eine Vorbedingung für zielgerichtete Förderung ist, scheint nicht gewährleistet. Weiters ist problematisch, dass die Testung des Sprachstandes in der Übergangszeit ausschließlich den Schulleitungen obliegt und keine Vorgaben des BMBWF (Testart, Testdauer, Durchführungsrahmen) vorgesehen sind.
Die organisatorische Umsetzung erscheint sehr problematisch. Der vorliegende Gesetzesentwurf zielt auf eine völlige Neuorganisation der Sprachförderung für Kinder mit dem Status „Außerordentliche/r Schüler/in“ ab. Die bis dato geltende Praxis und situativ flexible Handhabung bei der Organisation von Sprachgruppen wird durch eine legistische Normsetzung mit restriktiven Vorgaben bei der Bildung von Klassen und Sprachfördergruppen ersetzt. Die Vorgabe, dass ab sechs Schüler/innen eine Deutschförderklasse zwingend mit 15 Std. Deutsch (in der VS) und 20 Std. Deutsch in der NMS einzurichten ist, bedeutet an Standorten mit hoher Anzahl an „a.o.“ Schüler/innen einen enormen Organisations- und Raumbedarf. Besonders an Standorten in Ballungsgebieten entstehen dadurch mehr „Deutschförderklassen“ als „Regelklassen“! Der im Gesetz vorgesehene gemeinsame Unterricht in BE, ME und BSP ist organisatorisch nicht zu erfüllen. In der Realität werden an Standorten mit sozialpädagogischen großen Herausforderungen sehr hohe Schülerzahlen beim Start der Deutschförderklassen zu erwarten sein und dieser Sachverhalt erschwert die individuelle und differenzierte Förderung – im Gegensatz zu den jetzt praktizierten Sprachfördergruppen – massiv.
Keine Klärung gibt die Gesetzesvorlage auch bezüglich der Organisation der Regelklassen nach dem Einwechseln von Schüler/innen. Müssen Regelklassen ab Semester (Einwechslungsmöglichkeit) auch mit wesentlich mehr als 25 Schüler/innen geführt werden? Als besonders problematisch wird sich der durch den bis zu zwei Jahre dauernden Aufenthalt in der Deutschförderklasse entstehende Schullaufbahnverlust erweisen.

Das Rektorat der PH OÖ plädiert daher für ein Überdenken der Gesetzesnovelle unter Einbindung einer nationalen Expertengruppe.

11.4.2018

Das Magazin der PH OÖ „Gesellschaft“

Bildung bezeichnet nach Wolfgang Klafki die Fähigkeit, selbstbestimmt, kritisch, sachkompetent und solidarisch an der Lösung der Schlüsselprobleme der Gesellschaft mitzuwirken. Einen wesentlichen Beitrag zur Vermittlung dieser Fähigkeiten kommt in der Schule sozialwissenschaftlichen Fächern wie Geschichte und Poltische Bildung, Geografie und Wirtschaftskunde zu.

Meine Kollegin Vizerektorin Katharina Soukup-Altrichter beschreibt in ihrer Einführung zum Magazin der Pädagogischen Hochschule OÖ „Gesellschaft“, dass die Entwicklung der Fähigkeit zur Selbstbestimmung und Solidarität einen Unterricht benötigt, der individuelle Bedürfnisse ebenso in den Blick nimmt wie das Gemeinwohl für ein solidarisches und selbstbestimmtes Miteinander in einer Gesellschaft von morgen.

Hier der link zum Magazin der PH OÖ.

https://ph-ooe.at/fileadmin/Daten_PHOOE/ebooks/PH%20OOE%20Magazine/Gesellschaft/HTML/index.html#2/z

Inklusion statt Exklusion

Offizielle Stellungnahme (Pressemitteilung) der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB)
21. Dezember 2017

Dem Regierungsprogramm „Zusammen. Für unser Österreich“ ist zu entnehmen, dass das „bewährte differenzierte Schulsystem“ und damit auch das „Sonderschulwesen erhalten und gestärkt werden soll“. Im Zuge dessen ist außerdem geplant, die sonderpädagogische Lehrer/innenausbildung wiedereinzuführen.
Unter Berücksichtigung der Erkenntnis, dass die Entwicklung hin zu einem inklusiven Bildungssystem ein ambitioniertes und langwieriges Vorhaben ist, hält die Österreichische Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB, http://www.oefeb.at) – als Repräsentantin von über 300 Wissenschaftler/innen, die forschend und entwickelnd im Bildungswesen tätig sind – fest:

OEFEB_Presseaussendung_Inkusion_Sonderschulefinal

 

Das Bizarre an der Bildungsdebatte

Mein Userkommentar im Standard vom 12.12.2017

Sie blendet aus, was in der Vergangenheit geglückt ist. Und alle wollen recht haben.

Das Bildungssystem scheint unsteuerbar zu sein. Groß und unüberblickbar kommt es daher, wie ein Ungetüm, das scheinbar unendliche Ressourcen verschlingt. Offenbar ist wieder die Zeit gekommen, dass alle irgendwie mitspielen und mitreden: Politiker sowieso, Bildungsexperten, Wissenschaftler und Praktiker aus den Schulen leider viel zu selten, Eltern und Schüler und schließlich die Medien.Alle wollen sie recht haben. Und das ist auch schon das Problem. Sie verdächtigen den Anderen des Nichtwissens und des Nichtkönnens. Die Richtigkeit der eigenen Standpunkte wird vertreten, uneinsichtig und konsequent. Nach Letztwahrheiten und Überzeugungen wird gesucht. Die Schule sei reformierbar, wenn es wieder Noten gäbe, Leistung im Vordergrund stehe, wenn outputorientiert gelehrt werde, die Strafe als „großzügiger“ Lehrmeister fungiere und die Klassen ordentlich getrennt geführt seien.

Gelungen – misslungen?

Das Bizarre an diesen Diskussionen ist das Ausblenden des Erfolgten. So als ob in der Vergangenheit nichts geglückt wäre. Als ob Schule ein reduzierter Ort der gelungenen oder der misslungenen Wissensvermittlung sei. Auf Basis dieser Vorstellung darf es nicht verwundern, wenn sich manch Bildungspolitiker empirische Nachweise wünscht. Aber wie sollte man messen, dass Schüler ihren eigenen Standpunkt vertreten, andere achten, sich in andere Mitschüler einfühlen können und den Mut haben, eigene Gefühle zu äußern? Wie sollte man mit Notengebung erheben, dass Schüler widerständig und beharrlich argumentieren, sich der eigenen Grenzen bewusst sind und sich der öffentlichen Täuschung widersetzen? Vielleicht sind es gerade diese nicht messbaren und nicht beurteilbaren Kompetenzen, die Schule als den multifunktionalen Ort einer modernen und inklusiven Gesellschaft definieren, der interessante Menschen auf ihre künftigen sozialen Kompetenzen vorbereitet; neben den erworbenen Grund- und Fachkompetenzen. Die Pointe, zu der die öffentliche Diskussion kaum durchdringt: Viele erfolgreiche Projekte wurden ja in den vergangenen Jahren umgesetzt. Ein neues Studium für angehende Pädagogen, umfangreiche Weiterbildungsprogramme mit aktuellen thematischen Schwerpunkten im Bereich digitaler Kompetenz und sprachlicher Bildung. Kompetenzorientierter Unterricht und die begleitenden Maßnahmen zur kompetenzorientierten Leistungsbeurteilung. Die neue Reifeprüfung, die neue Oberstufe mit der Verankerung von bedarfsgerechten Fördermaßnahmen und individuellen Lernbegleitungen, um nur einige zu nennen.

Geteiltes Unbezweifeltes

Engagierte Pädagogen, die über Jahrzehnte ihre Arbeit verrichten, werden nun wieder einmal öffentlich – häufig durch Medien unterstützt – zu ihrem Professionsverständnis beurteilt. Einfach so. Und irgendwie könnte man in dieser Diskussion doch auch einmal die Frage stellen: Was muss unbedingt in unseren Schulen so bleiben wie es ist? Das geteilte Unbezweifelte!

Zweifellos – im Anschluss an diese Frage darf auch der Blick nach vorne gerichtet werden. Es gibt noch viel zu tun. Große Aufgaben warten. Operativer Aktionismus im Bildungssystem ist nicht angesagt. Aber: Die Bildungspolitik wird in Zukunft ganz sicher auch daran gemessen werden, wie das geteilte Unbezweifelte, unbezweifelt gesehen wird.

https://derstandard.at/2000070035637/Das-Bizarre-an-der-Bildungsdebatte

 

 

 

Was brauchen Systeme, um lernen zu können?

Anlässlich einer Tagung am 9. und 10. Oktober 2017 zur Grundschulreform in Österreich hielt ich an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich einen Vortrag zum Thema „Was brauchen Systeme, um lernen zu können?“. Der Vortrag wurde im Tagungsband (Nachbaur Gertrud, Wahlmüller Thomas (Hrsg.), Dezember 2017 S. 16-22) dokumentiert.

Hier der gesamte Beitrag.

JO_Broschuere_Grundschulreform

Bedarfsgerechte Ressourcenzuteilung für Schulen

Im Rahmen der Schriftenreihe des Bundeszentrums für inklusive Bildung & Sonderpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich durfte ich ein einleitendes Statement schreiben.

Zu den Kernaufgaben jeder Gesellschaft gehört ein erfolgreich funktionierendes Bildungssystem.
Österreich hat sich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, die Menschenrechte von Menschen mit Beeinträchtigungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten. Diese politische Zielsetzung ist ein nicht beugbares Menschenrecht, wie Georg Feuser argumentiert, und somit ein zentraler Auftrag, das gesellschaftliche Teilsystem „Bildung“ für die Fragestellungen des inklusiven Schulsystems als „sozialen Organismus“ vorzubereiten und weiterzuentwickeln. Damit ist der Abbau von Bildungsbarrieren und somit die Erhöhung der Chancengerechtigkeit für Schülerinnen und Schüler gemeint. Eine Schule für alle soll jedes Kind mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellen und optimal innerhalb der Schulgemeinschaft fördern und fordern.
Vor dem Hintergrund globaler und internationaler Kontexte einer sich abzeichnenden Wissensgesellschaft ist lokales Handeln für das inklusive Bildungssystem eine „conditio sine qua non“ geworden. Für dieses konkrete lokale Handeln werden in Österreich inklusive Modellregionen eingerichtet, um Erfahrungen mit einer vollständigen Umsetzung von inklusiver Bildung zu sammeln. Im Sinne der Chancengleichheit und der Chancengerechtigkeit soll allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geboten werden, an einer Regelschule ihren Unterricht zu erhalten. Damit kann ein zutiefst demokratischer Prozess in Gang gesetzt werden, der allen Schülerinnen und Schülern die gesellschaftliche Teilhabe erlaubt und auf Grundlage anerkennungsbasierter Gleichheit aller Menschen in ihren jeweiligen spezifischen Situationen durch einen flexiblen differenzierten Unterricht, sowie unter höchstmöglichem flexiblen Einsatz von Ressourcen die bestmögliche Entwicklung bietet.
Fest steht: Der Ausbau und die Weiterentwicklung eines inklusiven Bildungssystems sind keine Goodwill-Angelegenheit, sondern ein humanitäres Grundprinzip, das der aktuellen „Unordnung“ in vielen Bereichen wichtige Antworten liefern kann. Der Philosoph Julian Nida Rümelin spricht von einer geteilten Welt des „Unbezweifelten“. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass es Aufgabe ist, mit aller Kraft und Konsequenz die strukturellen, organisatorischen und funktionalen Voraussetzungen für ein inklusives Bildungssystem zu schaffen, um das geteilte „Unbezweifelte“ unbezweifelt zu lassen.

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